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Herbstumfragen: Außerschulische MINT-Bildung in der Corona-Krise

In zwei Umfragen haben MINT-Netzwerker/innen und -Akteur/innen einen Einblick in ihre aktuelle Situation kurz vor dem zweiten Teil-Lockdown gegeben. Zentrale Ergebnisse: Die Krise fördert Innovation und Digitalisierung, zeigt aber auch wie durch ein Brennglas generelle Herausforderungen. 

Die Corona-Krise stellt die außerschulische MINT-Bildung weiterhin vor große Herausforderungen: Der Besuch von außerschulischen Lernorten, Angebote zur Studien- und Berufsorientierung sowie die Zusammenarbeit mit Schulen sind derzeit nur unter starken Einschränkungen möglich.
Die Körber-Stiftung hat in Zusammenarbeit mit den Landesnetzwerken in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland- Pfalz und Thüringen sowie der Landesinitiative „Frauen in MINT-Berufen“ in Baden-Württemberg und dem Nationalen MINT Forum Umfragen unter regionalen MINT-Netzwerken und -Akteur/innen durchgeführt.

Zu den Umfragen

1. Umfrage unter MINT-Regionen

  • Zielgruppe: Koordinator/innen von regionalen MINT-Netzwerken
  • Teilnahme: 61 von 130 MINT-Regionen haben sich beteiligt, davon gehören 85% einem Landesnetzwerk an
  • Zeitraum: 14.-26. September 2020

2. Umfrage unter MINT-Akteur/innen

  • Zielgruppe: Anbieter/innen von Projekten und Maßnahmen für Kinder und Jugendliche im MINT-Bereich 
  • Teilnahme: 218 MINT-Akteur/innen aus 15 Bundesländern
  • Zeitraum: 14. September - 3. Oktober 2020

 

Zu den Ergebnissen

1. Außerschulische MINT-Bildung ist flexibel und digital.

MINT-Netzwerker/innen und -Akteur/innen haben sich als höchst flexible erwiesen. 48 % der befragten Netzwerke hat in der Krise neue Angebote für die Netzwerkpartner*innen entwickelt und bereits umgesetzt, weitere 30 % planen zusätzliche Formate. Mehr als die Hälfte befragten Akteur*innen (55%) hat digitale Angebote ins das Programm aufgenommen, um auch unter den aktuellen Bedingungen Kinder und Jugendliche für MINT zu begeistern. Nur 5 % wollen sich auch weiterhin auf nicht-digitale Angebote fokussieren. Insgesamt hat die außerschulische MINT-Bildung hat durch die Corona-Krise einen deutlichen Digitalisierungsschub erfahren. 

2. Die Krise zeigt als Brennglas generelle Herausforderungen  

Wie durch ein Brennglas werden die Probleme der außerschulischen MINT-Bildung in der Corona-Krise sichtbar: Das haupt- und oftmals auch ehrenamtliche Engagement außerschulischer Partner*innen wird noch immer als Ad-On und nicht unverzichtbarer Bestandteil der schulischen Bildung betrachtet. Die Akteur/innen beklagen daher mangelnde Anerkennung, fehlende finanzielle Unterstützung und nicht vorhandene Perspektiven. Die Strukturen der MINT-Regionen erweisen sich dagegen als vorläufig krisenfest: Fast alle befragten Netzwerker/innen (88 %) arbeitet derzeit regulär mit vollen Bezügen. Sie blicken daher in großer Zahl optimistisch (58 % sind optimistisch oder sogar sehr optimistisch) auf die eigene berufliche Zukunft. 

3. Momentaufnahme 
Eine Vielzahl von Netzwerker/innen und Akteur/innen, die derzeit in Kurzarbeit sind, anderen Aufgabengebieten zugeteilt worden sind oder bereits ihr Engagement eingestellt haben, konnten sich nicht an den Umfragen beteiligen (52 % der registrierten MINT-Regionen haben nicht teilgenommen). Darüber hinaus bilden die Befragungen eine Momentaufnahme zu Beginn des neuen Schuljahres ab. Inzwischen hat sich die Situation deutlich verschlechtert und ein erneuter Lockdown mit partiellen Schulschließungen, Kontakteinschränkungen sowie dem Verbot von Freizeitaktivitäten und Veranstaltungen hat die außerschulische MINT-Bildung wiederum stark eingeschränkt, so dass Maßnahmen nicht durchgeführt und finanziert werden, was wiederum zu deutlichen Budgetkürzungen führen wird. Es besteht somit dringender Handlungsbedarf, um außerschulischer MINT-Bildung eine Perspektive zu geben!

 

Eine weitere Befragung von MINT-Netzwerker/innen und -Akteur/innen ist für das Frühjahr 2021 geplant.